Peilungen
Peilen heißt, die Richtung zu einem Objekt zu bestimmen. Dafür hat der Navigator mehrere Werkzeuge zur Hand, das gebräuchlichste ist ein Peilkompass. Peilkompasse gibt es in verschiedenen Ausführungen, solche die man ans Auge hält und in einem Fenster gleichzeitig den Ausschnitt der Kompassrose und das Peilobjekt sieht ,oder die Peilkompasse, die am lang ausgetreckten Arm gehalten werden, wobei über eine Visiervorrichtung das Peilobjekt angepeilt wird und die Gradzahl von der Kompassrose über einen kleinen Spiegel eingeblendet wird. Das Ergebnis ist in jedem Fall eine missweisende Peilung, da der Peilkompass genau so wie der Steuerkompass der lokalen Missweisung unterliegt. Weitere Korrekturen werden allerdings nicht angebracht; Abdrift und Strom spielen bei der Peilung keine Rolle und eine Deviationstabelle für den Peilkompass gibt es auch nicht. Da der Peilende meist an Deck steht und den Peilkompass gut frei vom Schiffskörper hält, wird die Ablenkung in aller Regel keinen Einfluss auf das Peilergebnis haben.
Wie bei der Kursumwandlung gilt auch für die Peilungsumwandlung :
Vom Falschen zum Richtigen mit dem richtigen Vorzeichen d.h.
missweisende Peilung (mwP) + Missweisung (Mw) = rechtweisende Peilung (rwP)
Hat der Navigator also eine missweisende Kompasspeilung von z.B.74° genommen, wird er bei der gegebenen Missweisung von -4° die rechtweisende Peilung wie folgt ermitteln :

      74°
    -  4°  (beachte : Negative Missweisung !)
    ------
  = 70°

Peilscheiben sind heute zwar kaum noch an Bord, hätte unser Navigator aber damit eine Schiffseitenpeilung (SSP) genommen, so hätte er im angenommenen Beispiel eine solche von 60° gemessen; diese addiert zum rechtweisenden Kurs (rwK) von 10° ergibt wieder die rechtweisende Peilung (rwP) von 70°.
Die Kreuzpeilung
Mit einer Peilung erhält man eine "Standlinie". Die Standlinie ist diejenige Linie, auf der alle Punkte liegen, die als mögliche Schiffsorte in Frage kommen. Im Falle einer Kompass- oder Schiffseitenpeilung ist diese Standlinie eine Gerade.
Wenn die Gegebenheiten es zulassen, kann man durch eine zeitnah genommene 2. Peilung eine weitere Standlinie ermitteln. Da wo sich beide Standlinien kreuzen ist das Schiff zum Zeitpunkt der Peilung tatsächlich.
In unserem Beispiel sehen wir, daß das Schiff sich nicht mehr auf dem vorgezeichneten Sollkurs befindet sondern ein Stück nach Backbord versetzt wurde.
Der Navigator wird den Sollkurs, ausgehend, vom "beobachteten", d.h. dem durch die Peilungen ermittelten wahren Standort neu bestimmen und in die Seekarte eintragen. Gleichzeitig wird er sich Gedanken um die Ursache der Abweichung machen. Hat er die Abdrift falsch eingeschätzt oder den Strom unzureichend berücksichtigt ? Oder muß er nur den Rudergänger ermahnen, dem vorgegebenen Kurs besser zu folgen ?
Die Vierstrichpeilung
Die Vierstrichpeilung war bei Navigatoren besonders beliebt weil (bei Verwendung der Peilscheibe) besonders einfach .
Man stellt einfach die Peilscheibe auf eine SSP von 45° ein (oder auf 225° wenn mann auf Backbord peilt) und notiert den Loggestand wenn die Peilung erreicht ist (Punkt A). Dann stellt man an der Peilscheibe eine SSP von 90° bzw. 270° ein und liest erneut die Logge ab, wenn die 90° Peilung erreicht ist (Punkt B). Die Differenz des Loggestandes zwischen Punkt A und Punkt B ergibt den Abstand zwischen diesen Punkten.
Die Punkte A, B und C ( C ist das Peilobjekt) bilden ein gleichseitiges rechtwinkliges Dreieck in dem die Strecke A-B gleich der Streck B-C ist. Trägt man also die Loggedifferenz zwischen A und B auf dem 2. Peilstrich, ausgehend vom Peilobjekt an, so hat man einen Standort, der sich aus der 2. (90°) Peilung und dem Abstand vom Peilobjekt ergibt.
Mit dem Peilkompass ist das etwas umständlicher, denn da müssen die Schiffseitenpeilungen von 45° und 90° bzw. 225° und 270° zunächst mit Hilfe des rechtweisenden Kurses in rechtweisende Peilungen und diese dann in missweisende Peilungen verwandelt werden, die für die Beobachtung in Bunkt A und B benötigt werden.
In unserem Beispiel ist die wirklich gemessene Distanz von A1 nach B1 größer als die geplante Distanz von A nach B, also ist unser Schiff weiter vom Peilobjekt entfernt als zunächst angenommen.
Die früheren Seeleute teilten die Kompassrose nicht in 360° sondern in 4 x 90° und diese 90° Segmente wieder in 8 Untersegmente, den Strich. 1 Strich sind also 11,25°. 4 x 11,25° ergibt 45°, den entscheidenden Winkel für unsere Vierstrichpeilung; und jetzt wissen wir auch, woher der seltsame Namen für diese einfache Peilmethode stammt.

Vielleicht haben Sie ja irgendwann noch von anderen Verfahren gehört, "Abgestumpfte Doppelpeilung" oder "Kreuzpeilung mit Versegelung" ? Nun, ich segel ja schon lange, die längere Zeit ohne GPS. Aber diese Verfahren gehörten schon damals eher in die Rubrik "Prüfungsspielereien", die sich übereifrige Segellehrer für Ihre Eleven ausgedacht haben.
Auch wenn dieser gesamte Beitrag zur terrestrischen Navigation eher nostalgischen Charakter hat, ganz wollen wir den Praxisbezug nicht aus dem Auge lassen und deshalb gehe ich auf diese Verfahren hier nicht ein.