Das Handwerkszeug :

Die Seekarte, auf die ich im Beitrag zur astronomischen Navigation bereits umfassend eingegengen bin, ist die Basis der Navigation, der terrestrischen genau so wie der astronomischen. Die Ergebnisse aller Beobachtungen in Form von Peilungen, Abstandsmessungen und Lotungen werden in die Seekarte eingetragen und dort grafisch ausgewertet. Komplizierter Berechnungen dazu bedarf es im Bereich der terrestrischen Navigation nicht, einfache geometrische Aufgabenstellungen sollte der Navigator aber lösen können.

2 Kartendreiecke, eines davon mit einer Gradeinteilung zur Winkelmessung, ein Kartenzirkel, ein spitzer aber weicher Bleistift um nicht ins Papier zu "gravieren" und ein weicher Radiergummi werden zur Arbeit in der Karte benötigt.

Der Kompass, zeigt die Himmelsrichtungen an und ermöglicht das Steuern eines vorgegebenen Kurses.

Foto : Cassens & Plath

Foto : Cassens & Plath
Die Peilscheibe ist eine mit Visiervorrichtung versehene Scheibe mit 360° - Teilung im Uhrzeigersinn. Sie wird an einer Stelle mit guter Rundumsicht kardanisch befestigt, der 0°-Strich weist genau voraus.
Mit Ihrer Hilfe wird die Schiffseitenpeilung, z.B. Stb querab = 90°, achteraus = 180° und Bb querab = 270° genommen.

Die Aufgabe der Peilscheibe wird häufig auch von einem in der Hand gehaltenen Peilkompass übernommen; der zeigt dann natürlich keine Schiffsseitenpeilung sondern (nach Korrektur für die Missweisung) gleich die Himmelsrichtung der Peilung an.
Sofern der Steuerkompass frei und hoch genug steht, und über eine Visiervorrichtung verfügt, kann natürlich auch gleich über diesen gepeilt werden.

Die Logge dient zur Feststellung der Geschwindigkeit des Schiffes durch das Wasser.
Heute besteht eine Logge meist aus einem kleinen Propeller oder Flügelrad, das am Rumpf des Schiffes unter der Wasserlinie angebracht wird. Seine Umdrehungsgeschwindigkeit ist proportional zur Schiffsgeschwindigkeit und wird mechanisch oder elektronisch auf eine in Knoten geeichte Anzeige übertragen. Zur genauen Anzeige können (und müssen) Loggen justiert werden.
Früher wurde die Schiffsgeschwindigkeit mit der Handlogge gemessen. Ein ins Wasser geworfenes, senkrecht schwimmendes und dadurch im Wasser nahezu "feststehendes" Holz, das Logscheit, war an einer langen Leine befestigt, die von einer Rolle aus leicht ablaufen konnte.
In diese Leine waren im Abstand von 7,2 Metern Knoten geknüpft, was 14 Meridiantertien entspricht.
(Eine Meridiantertie ist mit 0,5144 m der 60. Teil einer Bogensekunde also der 3600. Teil einer Bogenminute und damit auch einer Seemeile. Damit ist die Geschwindigkeit von 1 Meridiantertie pro Sekunde = 1 Seemeile pro Stunde = 1 Knoten).
Misst man nun mit einer 14 sec. lang laufenden Sanduhr die Anzahl der in dieser Zeit auslaufenden Knoten, so hat man direkt die Schiffsgeschwindigkeit durchs Wasser in "Knoten".
14 Sekunden-Sanduhren waren wohl damals der Standard; wieso gerade 14 Sek. hat sich mir bislang aber noch nicht erschlossen.
So ganz nebenbei haben wir jetzt den Ursprung des "Knotens" als Einheit der Schiffsgeschwindigkeit erklärt.


Bilder von Fiete vertellt
Behelfsweise kann die Schiffsgeschwindigkeit im Wasser auch mit dem "Relingslog" ermittelt werden. Dazu bringt man an der Reling im Abstand von mehreren (aus Genauigkeitsgründen möglichst vielen) Meridiantertien 2 Markierungen an. Mißt man die Zeit eines schwimmenden Gegenstandes, die dieser von der Passage der ersten bis zur Passage der 2. Markierung benötigt, ergibt sich die Schiffsgeschwindigkeit aus dem
Abstand der Markierungen in Meridiantertien : Zeit in sec oder als Formel : [ V(kn) = a(mtr)/ t(sec)]

Der Sextant wurde bereits im Kapitel Astronavigation vorgestellt. In der terrestrischen Navigation erlaubt er mittels Winkelmessung zwischen Fußpunkt und Spitze z.B. eines Leuchtturms die Abstandsbestimmung und aus der Horizontalwinkelmessung , d.h. dem Winkel zwischen 2 Objekten lassen sich besonders genaue Standlinien konstruieren.
Die Präzisionsanforderungen an den Sextanten sind für diese Anwendungsfälle deutlich geringer als in der astronomischen Navigation, so daß in der terrestrischen Navigation preisgünstigere Plastiksextanten eingesetzt werden können.

Zur Ausrüstung des Navigators gehört nun noch ein Leuchtfeuerverzeichnis und eventuell noch ein paar See- und Hafenhandbücher und schon kann es losgehen.