Vancouver 27
Ein wenig History:
Der Bootstyp "Vancouver 27" wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Vancouver, Kanada gezeichnet. Ursprünglich handelte es sich um einen Einzelbau, den ein kanadisches Paar für die geplante Pazifik-Reise von Vancouver nach Neuseeland zeichnen ließ. Eine so große Reise mit einem so kleinen Schiff erregte damals einige Aufmerksamkeit und so kam es, daß nach erfolgreichem Abschluß der Reise eine Werft von dem Holzrumpf des Originals eine Form nahm und das Boot in GFK baute. Etliche Boote wurden in Kanada und USA gebaut bis die Form nach England kam.Heute wird die Vancouver noch immer in leicht modifizierter Weise als "Vancouver 28" bei Northshore Yachts Limited Itchenor, Chichester, West Sussex PO20 7AY. UK. gebaut.
Der verlangte Preis liegt allerdings in Größenordnungen, für die man anderweitig weit größere Boote bekommt.
Auf Grund ihrer für die Bootsgröße herausragenden Segeleigenschaften wird die V27 im englischsprachigen Raum liebevoll als "Pocket-Cruiser" bezeichnet. Mit dem kleinen, nur 27 Fuß großen Boot wurden schon zahlreiche erfolgreiche Langfahrten auf allen Ozeanen durchgeführt.
Konstruktion:


Die V 27 ist ein Langkieler mit Kutterrigg. Die Werft gibt das Konstruktionsgewicht mit ca. 4t an, was nach meiner Erfahrung bestenfalls für ein leeres Schiff ohne jede Ausrüstung gilt. (Meine Pilgrim hatte am Kran, zwar mit 100l Diesel vollgetankt aber sonst noch nicht ausgerüstet und ohne Rigg schon 5 t am Kranhaken)
Viele V27 wurden in der Vergangenheit als Kasko verkauft und von den Eignern selbst ausgebaut und motorisiert. So gibt es für ältere Schiffe keinen Standard für Ausbau und Motorisierung.

 

Pilgrims Logo:
Die Jakobsmuschel ist das Zeichen der Pilger auf dem Jakobsweg

Ich habe Pilgrim vor einigen Jahren in Woodbridge am River Deben in England gekauft. Sie war das am schönsten ausgebaute und am besten motorisierte Schiff unter mehreren, welche ich mir angesehen habe. Den Namen Pilgrim trug sie bereits, ich habe ihn nicht geändert.

Techn. Daten:

Sicherheit:

Rettungsinsel, Automatikschwimmwesten für die "feste Crew", d.h. meine Frau und mich, zusätzliche Feststoffwesten, Signalpistole Kal.4 , Radarreflektor unter der Saling, Allwellenradio für den Wetterempfang, UKW-Sprechfunk mit DSC, zusätzliches UKW-Handsprechfunkgerät


Rigg:

Kuttertakelung, Groß: 13 m²; Yankee: 18 m² oder Genua 1: 21 m² ; Staysail: 8 m²


Motor:

Bukh DV 20 / 2-Zylinder Diesel, 20 PS ; Einkreiskühlung, Treibstofftank ca. 100 l - Austauschmaschine 2005


Wasser:

ca. 100 l ( reicht für mein Fahrtengebiet Ostsee )


Batterien:

2 x 100 AH, werden geladen mit Lichtmaschine und nötigenfalls mit Ladegerät,


Navigation:

Konventionell auf Papier und mit Hilfe eines kleinen Plotters Geonav-4C mit Navionics-Modulen.
Aus Interesse, weniger aus revierbedingter Notwendigkeit wird gelegentlich astronomisch navigiert. Die Auswertung der "Schüsse" erfolgt konventionell mit HO249 und vorbereiteten Rechenblättern.

Mein Fazit:

Pilgrim ist exakt "Das Boot" für mich. Die V27 ist zwar keine Rennziege, fürs Fahrtensegeln aber und für diese Bootsgröße ausreichend flott. Mit etwas Wind sind 5-6 kn "drin", bei 5-6 Bft auch 6-7 kn. Wichtiger sind aber die Seeigenschaften. Bedingt durch den S-Schlag setzt das Boot weich auch in die kurze Ostseewelle ein; da kracht und kanllt nichts, man segelt auch bei mehr Wind sehr entspannt.

Legendär ist die Kursstabilität von Langkielern. Vorausgesetzt das Boot ist ordentlich getrimmt, kann man ohne irgegendwelche Maßnahmen das Ruder einfach loslassen und sich z.B. in der Kajüte nen Kaffee holen. Kommt man wieder, ist das Boot noch auf Kurs. Im nördlichen Kalmarsund habe ich die Probe gemacht: Bei ca. 4 Bft, am Wind bei etwas Seegang steuerte sich Pilgrim eine ganze Stunde lang vollkommen alleine, luvte bei Böen etwas an und fiel danach wieder ab; ich hätte es nicht besser gekonnt. Erst eine kräftige Dampferwelle führte zum Durchwenden.

Das Rigg ist extrem solide: Vorstag, Kutterstag, 4 Unter- und 2 Toppwanten, 2 Backstagen und 2 Achterstagen alles 6mm, nur die Backstagen 5mm, dazu ein Mast mit ordentlichem Profil. Ein Fachmann in Holland sagte mir, so ein massives Rigg habe er bei vergleichbar großen Booten noch nicht gesehen.

Durch die Kuttertakelage eignet sich das Boot besonders gut zum Einhandsegeln, die 2 Vorsegel erlauben eine gute Anpassung der Segelfläche an die Verhältnisse ohne dabei Kompromisse wie z.B. eine halb eingerollte Genua eingehen zu müssen.

Die Bootsgröße ist ausreichend für 2 Personen, auch für längere Fahrten; 3 Personen sitzen schon etwas eng aufeinander zumal auch das Cockpit - wie es sich für ein Seeschiff gehört - eher klein ist. Wenn ich einhand unterwegs bin, habe ich Platz in Hülle und Fülle. Das Boot ist mit 2 Vorschiffskojen und einer Messekoje ausgestattet, eine 2. Messekoje ist allenfalls für ein Kind geeignet. Ein separater Toilettenraum zwischen Messe und Vorschiff ist vorhanden.

Ein Yachttest aus dem Jahr 1980 liegt mir vor; bei Bedarf kann ich daraus ein PDF machen und zumailen.
(Aus Urheberr-Gründen will ich den Test hier nicht anhängen)

Andere Informationen sowohl technischer Art als auch zu erfolgreichen Reisen mit Vancouver 27 - Booten sind mir jederzeit willkommen !

Fotos:
Pilgrim unterwegs
Saisonende 2006: Auf diesem Bild erkennt man gut den langen Kiel und das extrem solide aufgehängte Ruder
Der S-Schlag sorgt für weiches Einsetzen auch in die kurze und steile Ostseewelle
Blick in die Kajüte
Der Kartentisch - noch mit dem alten GPS
Die Kombüse; der Gasherd wurde zwischenzeitlich durch einen 2 flammigen Origo-Spirituskocher ersetzt